1. Februar bis 5. Mai 2019, Ausstellung, FHXB Museum, 2. Etage

Die Ausstellung zeigt am Beispiel Berlins, wie aufgrund rassistischer Ordnungen Kinder und Jugendliche und so manche Lehrkräfte an gleichberechtigter schulischer Teilhabe gehindert werden, welche geschichtlichen und rechtlichen Zusammenhänge bestehen und wie die beteiligten Schüler*innen und ihre Eltern, betroffene Lehrer*innen und auch ganze Communities damit umgehen.

Die Ausstellung ist das Ergebnis des kollaborativen Forschungs- und Ausstellungsprojekts “Passkontrolle. Leben ohne Papiere in Geschichte und Gegenwart”. Es wird in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, dem Verband für interkulturelle Arbeit – VIA-Regionalverband Berlin/Brandenburg e.V./dem RomaniPhen Archiv, dem FHXB-Museum, der IniRromnja, International Women Space und Jugendliche ohne Grenzen durchgeführt und vom Institut für angewandte Forschung finanziert. Mehr zum Projekt. Im Anschluss kann die Ausstellung beim RomaniPhen Archiv ausgeliehen werden.


Programm: »Bühne des Widerstands« Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Workshops, einer Performance- und Theateraufführung und einer Buchvorstellung ergänzt die Ausstellung. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei und finden im FHXB-Museum in der zweiten Etage statt.

Für die Workshops ist eine Anmeldung unter melanie.weiss80 (at) web.de erforderlich.

Der Raum ist mit Rollstuhl zu erreichen. Die Veranstaltungen finden in deutscher Lautsprache statt.

Kuration: Melanie Joschla Weiss

Freitag, 8. Februar 2019, 19:00 Uhr: Buchvorstellung des Autor*innenkollektivs Jugendliche ohne Grenzen: Zwischen Barrieren, Träumen und Selbstorganisation – Erfahrungen junger Geflüchtete
Mit Mitgliedern des Autor*innenkollektiv: „Jugendliche ohne Grenzen“

In diesem Band blicken Jugendliche des Autor*innenkollektivs „Jugendliche ohne Grenzen“ auf die Jugendhilfe, auf alles, was oft nur scheinbar helfend für geflüchtete Kinder und Jugendliche zur Verfügung steht. Sie beschreiben wie sie das Aufnahmeland Deutschland empfinden und ihre Situation darin.  Das Kollektiv berichtet über seinen Alltag, der geprägt ist von erschwerten Bedingungen wie Rassismus und struktureller Diskriminierung einerseits und den alltäglichen Anforderungen des Erwachsenwerdens andererseits. Nicht zuletzt zeigen die Autor*innen wie sie in selbstorganisierten Gruppen und Räumen Selbstwirksamkeit, Solidarität und Empowerment-Prozesse erleben.

Zum Autor*innenkollektiv gehören Viana Tamir, Havere Morina, Alin Ahmad, Amna Ben Yousef, Hawa Souma, Fatima Khalil, Reem Alaswad, Kajin Ahmad, Wahed Khan und Çingiz Sülejmanov. Mohammed Jouni hat das Autor*innenkollektiv koordiniert. Er ist Referent der politischen Bildung, Diversity- und Empowerment-Trainer. Er hat die Selbstorganisation «Jugendliche ohne Grenzen« mitbegründet und arbeitet als Sozialarbeiter im BBZ – Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge und Migrant*innen, Berlin. Näheres hier 

Donnerstag, 14. Februar 2019, 13-16:00 Uhr: Theaterpädagogischer Workshop zu den Themenschwerpunkten »Mädchenbildung in Missionsschulen« und »Schwarze Schüler*innen im Kaiserreich & im Nationalsozialismus« 

Die Schüler*innen setzen sich mit den Schwerpunkt ›Mädchenbildung in der deutschen Kolonisation Namibias‹  theaterpädagogisch auseinander. Das Schulsystem in den ›deutschen Kolonien‹ Namibias teilte nach Hautfarben und Geschlecht auf. Schwarze Mädchen sollen für den Haushaltsdienst ›weißer Siedler*innen‹ erzogen werden. Im Anschluss an kleine Szenen und Standbilder,  entwickeln wir gemeinsam Fragen, die in einer Abschlussrunde reflektiert werden.

Freitag, 15. Februar 2019, 13-16:00 Uhr: Workshop von Jugendliche ohne Grenzen: »Widerstand gegen Abschiebung im Kontext von Schule«

Ob in der Schule, auf der Arbeit, auf der Straße oder bei  Behörden: Im Leben von Schüler*innen mit Fluchtgeschichte sind Rassismus, Diskriminierung und Angst vor Abschiebung leider Alltag. Das macht viele müde und kaputt. Auch das Lernen ist in solch einer Situation schwierig.

Die Initiative Jugendliche ohne Grenzen ist eine Gruppe von jugendlichen Geflüchteten, die sich seit 2005 für Menschenrechte und für das Bleiberecht für Geflüchtete einsetzt. Mohammed Jouni ist Vertreter von JoG und wird den Workshop durchführen und von seinen Erfahrungen erzählen. Wir setzen uns vor allem mit folgenden Fragen auseinander:

  • Warum gibt es Abschiebungen?
  • Wer ist von Abschiebungen bedroht?
  • Was tun selbst betroffene für das Bleiberecht und gegen Abschiebungen?
  • Was kann jede*r tun wenn Mitschüler*innen von der Abschiebung bedroht sind?
  • Wie und wo kann ich mich für das Bleiberecht und gegen Abschiebungen einsetzen?

Ziel ist es, im gemeinsamen Austausch herauszufinden, wo Handlungsspielräume gegen Abschiebungen im Kontext von Schule vorhanden sind. Dabei ist uns eine schöne, wohlwollende und ansprechende Atmosphäre in der Gruppe wichtig.
 

Donnerstag, 21. Februar 2019, 13-16:00 Uhr: Theaterpädagogischer Workshop zum Themenschwerpunkt »Widerstand aus Communities in Vergangenheit und Gegenwart«

Wir beschäftigen uns in kleinen Theaterszenen mit den Widerstandsformen, die ein Leben ohne Papiere in deutschen Schulen entfaltete. Sei es, dass man sich mit Hand und Fuß – oder mit einer Demonstration gegen die sogenannten »Willkommensklassen« zur Wehr setzte. Dazu nutzen die Schüler*innen ihre eigenen Erfahrungen mit Widerstand, die sie im Schulalltag erleben und die Tafelinhalte der Ausstellung.

Freitag, 22. Februar 2019, 13-16:00 Uhr: Workshop für Jugendliche:
Das Soweto-Uprising: Auseinandersetzung mit Widerstandsgeschichten und -formen aus transnationaler Perspektive.

In diesem Workshopmodul untersuchen die Schüler*innen das Widerstandspotential, das ein Leben ohne Papiere auch in anderen Ländern hervor brachte. Black Panther ist der neueste Film von Marvel Universe. Darin geht es um Empowerment Schwarzer Menschen in den USA, auch weltweit. Durch Formen des biografischen Theaters setzen die Protagonist*innen ihre eigenen kleinen oder großen Widerstandsgeschichten mit Soweto Uprisingund Black Panther in Verbindung.

Freitag, 1. März 2019, 14-16:00 Uhr: Forumtheaterworkshop zur Sensibilisierung gegen Diskriminierung von Rom*nja der Jugendtheatergruppe So keres? konzipiert vonMagdalena Lovrić & Mirella Galbiatti

So keres? ist ein Ort der Bewegung aus der Community. Entstanden ist ein Raum zum gegenseitigen Empowerment von jungen Rom*nja. Aus dem Bedürfnis heraus der alltäglichen Diskriminierung im eigenen Lebensumfeld entgegenzutreten hat sich im Januar 2014 die Gruppe zusammengefunden.

Gemeinsam haben wir das Theaterspielen als die für uns geeignete Plattform gefunden, um uns Gehör zu verschaffen. Unser Anliegen ist es, selbstorganisiert unsere Geschichte und Kultur zu pflegen. Ausgangspunkt dabei sind immer unsere eigenen Erfahrungen, Wir sind die Expertinnen. Uns ist wichtig, die Geschichte der Unterdrückung und Verfolgung durch eine Geschichte des Widerstands zu ergänzen. Diese findet sich aber nicht in den Geschichtsbüchern. Also ist es an uns, sie zu erzählen und fortzuführen. Opre Rom*nja!

Kontakt: www.sokerestheater.wordpress.com  
E-Mail: so_kereso (at) hotmail.com

Sonntag, 10. März 2019, 19:00 Uhr: Theateraufführung »Papiere dulden alles – Über das Recht Rechte zu haben« von Jugendlichen der Otto-von-Guericke-Oberschule Berlin. Gemeinsam entwickelt mit dem Theater X Berlin.

»Wenn die Polizei sagt ›Papiere‹ und ich sage ›Schere‹ … habe ich dann gewonnen?« – Wie kann Mensch ohne Papiere leben? Kann Mensch ohne richtige Papiere richtig leben? – Falls du Papiere hast, was steht drauf? Was hast du? Was bist du? Hast du eine Berechtigung Rechte zu haben? Hast du die richtige Erlaubnis? Und falls deine Papiere gute Papiere sind, weil die richtigen Worte darauf stehen, wird eingehalten was drauf steht? Und wann? Papier ist geduldig. Wir nicht! Zwischen uns passt kein Blatt Papier! Eine Performance mit Menschen und Papier, für Menschen mit und ohne Papiere.

Von: Der Willkommensklasse Otto-von-Guericke-Schule (Lehrerin Ulrike Doil)
Künstlerische Leitung, Regie: Ahmed Shah
Regie Assistenz/ Produktionsleitung: Mayada Darwiche, Anna König 
Bühne/ Kostüm: Vernonica Schiavo

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