UNS GIBT ES, WIR SIND HIER

Geflüchtete Frauen in Deutschland erzählen von ihren Erfahrungen

UNS GIBT ES, WIR SIND HIER enthält acht Geschichten. Geschichten, die wütend machen und entmutigen, aber genauso Geschichten, die ermächtigen und aufbauen. Geschichten über die Erfahrungen von Frauen, die in Libyen Opfer von Menschenhandel und zur Prostitution gezwungen wurden; von Flucht vor staatlicher und gesellschaftlicher  Unterdrückung in Ägypten, Syrien und dem Iran; von Verfolgung auf Grund von akademischem Aktivismus in der Türkei oder auf Grund von Drogenabhängigkeit in Russland; Frauen, die ihres Rechts auf Selbstbestimmung beraubt wurden; Frauen, die sich der Abschiebung widersetzt haben und täglich gegen Rassismus und rassistische Strukturen in Deutschland kämpfen.

EINLEITUNG

„Aber immer wieder gab es Widerstand und Solidarität. Immer schon gab es Menschen, die sich engagierten, die sich verbündeten, um zu kämpfen, zu sprechen und zu handeln gegen den Rassismus und damit sagten: Uns gibt es. Wir sind hier.” –  Ayşe Güleç*

UNS GIBT ES, WIR SIND HIER. Dieser Satz hat uns berührt. Er beschließt die Rede, die den neun Opfern der Nazi-Morde des sogenannten „NSU” Anerkennung zollt und den Kampf für Gerechtigkeit beschreibt. Er betont die Kraft, die im politischen Organisieren liegt – und die sogar in unserer bloßen Existenz liegen kann. Wir haben ihn als Titel unseres Buches ausgewählt.

Existieren, hier sein – das ist der Akt des Widerstands aller Frauen, die in diesem Buch sprechen, die gegen alle Widrigkeiten nach Deutschland gekommen sind. Sie haben es geschafft, obwohl sie das niemals sollten. Und ihre Botschaft lautet: Trotz der Systeme, die gegen uns arbeiten, trotz der alltäglichen Gewalt, die uns im Patriarchat widerfährt, trotz der misogynen und rassistischen Attacken gegen uns: wir waren, wir sind, und wir werden hier sein.

UNS GIBT ES, WIR SIND HIER. ist unser zweites Buch. Im Jahr 2015 veröffentlichten wir IN UNSEREN EIGENEN WORTEN, eine Sammlung von 10 Testimonials verschiedener Frauen – nur ein Jahr nachdem der Women Space aus der Gerhart-Hauptmann-Schule geräumt worden war.  In den letzten drei Jahren haben wir fast 5000 Exemplare verteilt, und sind durch ganz Deutschland gereist, um Lesungen zu halten und über den Inhalt des Buches zu diskutieren. Wir waren entschlossen, unser Ziel weiter zu verfolgen – die Dokumentation unserer Erfahrungen, der Erfahrungen von Frauen – um dazu beizutragen, unsere Geschichte zu schreiben, die ansonsten unterdrückt, verdeckt oder ignoriert wird.

Die Erfahrungen vieler Frauen werden auf den Seiten dieses Buches widergespiegelt. Dieses Buch ist für sie. Doch es ist auch für die Frauen, deren Geschichten in diesem Buch nicht erzählt werden konnten: Die Geschichten der Frauen, die es nicht über das Mittelmeer geschafft haben. Die Geschichten der Frauen, die der Versklavung in Libyen, im Irak, in Kurdistan nicht entkommen sind. Der Frauen, die die tödliche Reise über Wasser und Land überlebt haben, aber, in Deutschland angekommen, in Lagern festgesetzt wurden, nur um Monate später im Morgengrauen abgeschoben zu werden. Der Frauen, die sich mit Händen und Füßen gegen ihre Abschiebung gewehrt haben. Der Frauen, die, bewaffnet und unbewaffnet, im revolutionären Kampf starben, einschließlich des revolutionären Kampfes zur Sicherung des bloßen Überlebens in einer Welt verwüstet von Krieg, (Neo)kolonialismus, Kapitalismus und Patriarchat.

Im Gegensatz zur Biographie ist das “Ich” des Testimonials ein kollektives “Ich”. Die acht Frauen, die in diesem Buch sprechen, sind Zeuginnen unseres gemeinsamen Kampfes. Als Ergebnis unserer redaktionellen Entscheidung diese Frauen zusammen reden zu lassen, Seite an Seite, reden wir zurück: Wir fordern euch auf, unsere Unterschiede zu sehen – in Klasse, in Bildung, Erfahrung, Politik, Perspektive. Aber gleichzeitig zu erkennen: dass die künstlichen Kategorien, die uns auferlegt werden, die uns aufteilen sollen – in die, deren Leben es verdient haben gerettet zu werden und die, deren Leben es nicht verdient haben – kein anderes Ziel haben, als unsere Ausbeutung voranzutreiben – die Ausbeutung unserer Körper, unserer Arbeitskraft, und in vielen Fällen, unseres Lebens.

Wir glauben nicht an die Illusion von Freiheit und Demokratie in Deutschland und Europa, während Nazimobs durch die Straßen ziehen, Rettungsschiffe an der europäischen Grenze abgewiesen werden, wenn Schwarze Menschen und People of Colour von der Polizei zusammengeschlagen werden, Menschen in Polizeizellen verbrennen und Menschen wie Tiere in Hochsicherheitslagern zusammengepfercht werden, die “Heim” genannt werden.

Wir verstehen die Publikation im Selbstverlag als feministischen Akt. Es ist unsere kollektive Art der Sinngebung. Es gibt uns die Freiheit unsere Fähigkeiten einzusetzen, uns selbst zu bilden, uns selbst zu ermächtigen. Es macht uns unabhängig von äußerer Zensur und der Manipulation oder Instrumentalisierung unserer Inhalte. Von der Transkription zur Übersetzung, von der Redaktion zum Lektorat, von der Fotografie zur Illustration, vom Layout zum Druck: Dieses Buch ist ein Werk von Frauen. Wir organisieren seinen Inhalt und kontrollieren seine Verbreitung, was bedeutet, dass wir Frauenräume und -gruppen, migrantische und geflüchtete Frauen, bevorzugen können.

Wir veröffentlichen dieses Buch am 25. November 2018: Am Internationalen Tag für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen.  In der Tradition des Aufstandes lateinamerikanischer Frauen rufen wir weiter: Ni Una Menos – Keine Frau weniger! Wir rufen alle unsere feministischen, antirassistischen KomplizInnen zum Aufstand, zur Selbstbestimmung und zur Selbstverteidigung auf!

International Women Space // Berlin, 25. November 2018

 

*Ayşe ist eine der Gründerinnen der Initiative 6. April, die sich für Halit Yozgat gegründet hat, der 2006, mit 21 Jahren, an seinem Arbeitsplatz, einem Internet-Café, vom NSU erschossen wurde, während ein Mitglied des deutschen Verfassungsschutzes anwesend war. Die NSU-Morde waren das größte organisierte Nazi-Verbrechen, das in Deutschlands jüngerer Geschichte bekannt ist, und ein Skandal für den deutschen Staat, seinen Geheimdienst, seine Polizei und seine PolitikerInnen. Die Rede wurde zum Tribunal “NSU-Komplex auflösen” gehalten, das von Angehörigen und AktivistInnen organisiert wurde und bei unserer Konferenz ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM verlesen.

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