ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM - A CELEBRATION

(English below)

Mehrere hundert Frauen kamen auf der Konferenz von International Women* Space ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM zusammen. Alle Beiträge der Konferenz wurden für die Veröffentlichung in deutscher Sprache überarbeitet und sind nun als Buch beim UNRAST Verlag erschienen: »ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM - Gespräche über Vertragsarbeit, Gastarbeit, Flucht, Rassismus und feministische Kämpfe.«

In Zusammenarbeit mit der Rosa Luxemburg Stiftung und ISD-Initiative Schwarze Menschen in Deutschland lädt International Women* Space in die Werkstatt der Kulturen ein, diesen Anlass zu feiern!

Im Buch treffen die Erzählungen und das Wissen von Frauen unterschiedlicher Generationen aufeinander: Über Migration, Rassismus, feministische Kämpfe und Selbstorganisierung in ihren politischen und historischen Zusammenhängen. Die Frauen sind Geflüchtete, Migrantinnen, Afrodeutsche, Deutsche of Colour, Illegalisierte, Arbeiterinnen, Akademikerinnen, Künstlerinnen, Aktivistinnen. Sie sind als sogenannte Gastarbeiterinnen in die BRD, als Vertragsarbeiterinnen in die DDR, als Geflüchtete und Migrantinnen in die BRD, in die DDR oder in das wiedervereinte Deutschland gekommen oder in zweiter Generation hier geboren.  Persönlich und radikal geben sie Einblicke in ihre Biografien, ihre Communities und ihre solidarischen Zusammenschlüsse. Ihre Erfolge und ihr Widerstand weisen den Weg für den gemeinsamen feministischen Kampf, der vor uns liegt.

An diesem Abend wollen wir uns erneut mit den Beiträgen und den Themen der Konferenz auseinandersetzen.

Das Programm...

18:30 : Türen öffnen

19:00 : Begrüßung, Einführung, Statements
Denise Garcia Bergt, International Women* Space
Bafta Sarbo, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
Massimo Perinelli, Rosa Luxemburg Stiftung

19:30 : *Noch nie zuvor gesehene* Videointerviews mit der Frauen, die im Buch zu Wort kommen

20:00 : Paneldiskussion und Q&A | Wir schreiben Geschichte. Eine internationalistische, feministische, widerständische, und – entgegen nationaler Vorstellungen – deutsche Geschichte.

Mit Bafta Sarbo, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Tülin Duman, Queer- und Menschenrechtsaktvistin. Moderiert von Nataly Jung-Hwa Han, Korea Verband

21:30 : Netzwerken, Feiern & Bücher kaufen ;)

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt. Alle, die sich für das Buch und seine Inhalte interessieren, sind bei dieser Veranstaltung herzlich willkommen!

> Buch bei UNRAST Verlag bestellen!

> Schau dir die Panels an!

Videos von den sechs Paneldiskussionen der Konferenz auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Türkisch und Vietnamesisch findet ihr hier.

 

 

****E*N*G*L*I*S*H****

Over 250 women came together at the International Women* Space conference WHEN I CAME TO GERMANY. The speeches and discussions of the conference have now been published as a book in German with UNRAST Verlag.

In cooperation with the Rosa Luxemburg Stiftung and ISD-Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, International Women* Space invites you to join us at the Werkstatt der Kulturen to celebrate this occasion.

The book brings together the stories and knowledge of different generations of women about migration, racism, feminist struggles and self-organization in their political and historical context. The women are refugees, migrants, Afro-Germans, Germans of Colour, illegalised, workers, academics, artists, activists. They came to West Germany as so-called ‘guest workers’, to East Germany as ‘contract workers’, as refugees or migrants to East-, West- and the reunified Germany or were born here in the second-generation. They gave radical and personal insights into their biographies, their communities and their solidarity-based networks. Their successes and resistance can point the way forward for the feminist struggles that still lie ahead of us.

On this evening we will dive into the discussions and topics of the conference again. 

The Programme...

18:30 : Doors Open!

19:00 : Welcome, Introduction, Statements
Denise Garcia Bergt, International Women* Space
Bafta Sarbo, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
Massimo Perinelli, Rosa Luxemburg Stiftung

19:30 : *Never seen before* Video Interviews with the women from the book

20:00 : Panel Discussion and Q&A | We are writing history. A history of resistance. An internationalist, feminist, and – contrary to nationalist expectations – German history.

With: Bafta Sarbo, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Tülin Duman, Queer- und Human Rights Activist. Moderated by Nataly Jung-Hwa Han, Korea Verband

21:30 : Networking, celebrating & book buying ;)

The event will be held in German and English. Everyone who is interested in the book and its contents is very welcome at this event!

> Order the book from UNRAST (German only)!

> Watch the panel discussions!

The videos of all six panel discussions in German, English, Arabic, Farsi, Turkish and Vietnamese can be found here.

 


Als ich nach Deutschland kam - jetzt als Buch bei UNRAST Verlag erschienen

Im Oktober 2017 kamen auf unserer Konferenz ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM mehrere hundert Frauen zusammen, um über das Ankommen in Deutschland, das Arbeiten und Leben hier sowie die politische Organisierung als Frauen in diesem Land zu sprechen. Es waren zwei besondere, berührende und bestärkende Tage.

Alle Beiträge der Konferenz wurden transkribiert und für die Veröffentlichung in deutscher Sprache überarbeitet. Die sechs Gespräche - über Vertragsarbeit, Gastarbeit, Flucht, Rassismus und feministische Kämpfe - sind nun als Buch beim UNRAST Verlag erschienen.

> Jetzt bei UNRAST Verlag bestellen!

Das Buch ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM erscheint am 21.03.2019 auf der Leipziger Buchmesse. Es ist in enger Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem UNRAST Verlag entstanden. UNRAST bietet als Sachbuchverlag mit Sitz in Münster seit über 20 Jahren kritischer und progressiver Literatur aus den verschiedenen Strömungen innerhalb der politischen Linken eine Plattform.

Im Buch begegnen sich die Erzählungen und das Wissen von 22 Frauen unterschiedlicher Generationen über Migration, Rassismus, feministische Kämpfe und Selbstorganisierung in ihrem politischen und historischen Zusammenhang. Die Frauen sind Geflüchtete, Migrantinnen, Deutsche of Colour, Ossis und Wessis, Illegalisierte, Arbeiterinnen, Akademikerinnen, Künstlerinnen, Aktivistinnen. Persönlich und radikal geben sie Einblicke in ihre Biografien, ihre Communities und ihre solidarischen Zusammenschlüsse. Ihre Erfolge und ihr Widerstand weisen den Weg für den gemeinsamen feministischen Kampf, der vor uns liegt.

Hier werden erstmals bislang unsichtbar gemachte Geschichten von Migration und Widerstand erzählt, die von Frauen geschrieben werden. Das Besondere ist, dass Frauen aus unterschiedlichen Generationen, Herkunft, sozialem Status und politischen Bedingungen zusammentreffen mit dem Ziel, nicht jedesmal von Null anzufangen, sondern von den Erfolgen und Kämpfen der anderen zu lernen und sich zusammenzuschließen.

Die Frauen in diesem Buch sind nicht nur Zeuginnen, sondern Akteurinnen wichtiger politischer Momente und Entwicklungen. Sie sind in Deutschland geboren, sind als Kinder hierher migriert, haben ihre Herkunftsländer aus verschiedenen Zwängen und Kämpfen heraus verlassen, sind mit unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen angekommen, sind legalisiert oder illegalisiert. Sie haben dieses Land verändert. Sie haben Geschichte geschrieben. Eine internationalistische, feministische, widerständische, und – entgegen nationaler Vorstellungen – deutsche Geschichte.

Wir wollen in erster Linie Frauen erreichen, die wir mit den Erzählungen und Diskussionen in diesem Buch Mut, Stärke und Solidarität geben möchten für ihre eigenen Konflikte und Kämpfe. Das Buch richtet sich gleichermaßen an alle, die sich für eine feministische Geschichte der Migration und Selbstbestimmung in Deutschland interessieren. Das Buch erfordert ein politisches Bewusstsein, sich von einem hegemonialen männlich geprägten, problematisierten Blick auf Migration und Gesellschaft zu lösen.

> Inhaltsverzeichnis (PDF)
> Leseprobe (PDF)
> Buch bestellen!

Die Videos von der Konferenz sind in Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Türkisch und Vietnamesisch online zu finden: iwspace.de/als-ich. Wir freuen uns über Interviewanfragen sowie Einladungen zu Lesungen oder Buchpräsentationen - ihr erreicht uns unter iwspace@iwspace.de.

Rund um die Veröffentlichung des Buches organisieren wir im Mai eine Veranstaltung - mehr Infos folgen- watch this space!

PS: Unser großer Wunsch ist es das Buch auch in andere Sprachen übersetzt wird und suchen nach KooperationsparterInnen.


Selbstorganisierung und feministische Arbeit im Kontext von Migration

Selbstorganisierung und feministische Arbeit im Kontext von Migration

KONFERENZ | ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM | Oktober 2017 | Berlin

KONFERENZALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAMOktober 2017 | Berlin

Im letzten Gespräch geht es um die erfolgreiche Selbstorganisierung und feministische Arbeit von Migrant*innen in Deutschland. Moderiert von Saboura M. Naqshband berichten drei Frauen, wie sie sich organisierten und ihre Rechte erkämpften. Kook-Nam Cho-Ruwwe, die 1970 aus Südkorea nach Westdeutschland kam, um – wie viele andere in Zeiten des Pflegenotstands – als Krankenschwester zu arbeiten, erzählt von ihrem erfolgreichen Kampf für unkündbares Bleibe- und Arbeitsrecht für koreanische Krankenschwestern, das sie 1978 errungen hatten. Seher Yeter kam als politische Exilantin aus der Türkei und berichtet von ihrem Kampf für eine internationale Frauensolidarität. Ob am 8. März oder am 25. November, ob in Berlin, Rojava, Spanien oder in der Türkei – sie zeigt die Notwendigkeit auf, dass Frauen sich solidarisch gegen spezifisch frauenfeindliche und rassistische Angriffe verbinden müssen. Gülşen Aktaş, geboren in Ostanatolien und aufgewachsen in Deutschland, berichtet von der Seniorenfreizeitstätte HUZUR in Berlin, in der ältere Menschen und vor allem Frauen aus über 30 verschiedenen Herkunftsländern zusammenkommen, in Austausch treten, sich historisch bilden und gegen die Vereinzelung und Vereinsamung vorgehen.

Das Video kann auf Vimeo heruntergeladen werden. Siehe Lizenz unten.

AUDIO

Audio-Dateien können auf archive.org heruntergeladen werden. Siehe Lizenz unten.

Fotos des Panels

Referentinnen & Moderatorin

Gülşen Aktaş widmet ihr Leben dem politischem Aktivismus und der Frauenarbeit in Deutschland. Geboren in Dersim, wurde sie Grundschullehrerin in der Provinz Diyarbakır. Im Alter von 20 Jahren folgte Gülşen ihrer Mutter Şirin nach Deutschland, studierte Politikwissenschaft und arbeitete in einem der ersten Frauenhäuser in Berlin und war bei verschiedenen Immigranten- und Frauenprojekte tätig. Sie war aktives Mitglied von Schabbeskreis und war und ist in verschiedenen Frauengruppen vernetzt. Seit 2007 ist sie Leiterin von HUZUR, der ersten interkulturelle Freizeitstätte in Berlin, die von SeniorInnen aus ca. 30 Ländern frequentiert wird.

Kook-Nam Cho-Ruwwe wurde am 30. November 1948 in Kimcheon, Südkorea geboren und hat, bevor sie 1970 als Arbeitsmigrantin nach Deutschland kam, ihre Berufsausbildung als Krankenschwester absolviert. Über 40 Jahren war sie in verschiedenen medizinischen und pflegerischen Einrichtungen erwerbstätig. Sie ist Gründungsmitglied der koreanischen Frauengruppe in Deutschland und Vorstandsvorsitzende im Dachverband der Migrantinnenorganisationen (DaMigra e.V.). Sie beschäftigt sich mit Themen wie dem Pflegenotstand in Deutschland seit Ende der 1950er Jahre, der Anwerbung asiatischer Krankenschwestern aus Indien, den Philippinen und Korea und der Zwangsrückkehr asiatischer Krankenschwestern in ihre Herkunftsländer. Dabei organisiert sie verschiedene Widerstandsaktionen und hat für unkündbare Bleibe- und Arbeitsrechte in den Verwaltungsvorschriften zum Ausländergesetz gekämpft.

Seher Yeter wurde 1971 in Erzincan geboren. Sie zog im Alter von vier Jahren mit ihrer Familie nach Istanbul. Sie absolvierte die Grund- und Sekundarschule und zur Hälfte die Hochschule. Dann begann sie in der Textilindustrie in der Qualitätskontrolle zu arbeiten. Neben der Arbeit in der Textilindustrie setzte sie sich aktiv für den Frauenkampf, für Frauenrechte und Frauenfreiheit ein. Um sich in diesem Bereich fortzubilden, lernte sie von den Erfahrungen der Frauen in ihrem Land und anderen Teilen der Welt zu lernen. Sie lebt seit 17 Jahren in Deutschland und arbeitet hier weiterhin als Teil des Kampfes zur Befreiung der Frau. Sie ist aktiv im Verein Sozialistischer Frauen (SKB) und macht aufmerksam auf die Wichtigkeit des internationalistischen Frauenkampfes.

Ceren Türkmen (geb. 1980 in Duisburg) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Sie ist Soziologin und arbeitet, schreibt und doziert zur Geschichte der Arbeitsmigration in Deutschland, (historischer) Rassismus- und politische Migrationsforschung, Neomarxismus & Postkoloniale Kritik, Stadtsoziologie und Kapitalismusforschung. Seit Mitte der 1990er Jahre ist sie aktiv in MSOs und in der NSB. Sie ist Mitglied im politischen Sound-Art-Kollektiv Ultra-red. www.uni-giessen.de

BILDER VON DEN PANELLISTINNEN

ÜBER DIE KONFERENZALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM

International Womenspace organisierte im Oktober 2017 eine zweitägige Konferenz in Berlin. In sechs Podiumsdiskussionen teilten Frauen ihre Erfahrungen: Frauen, die als Gastarbeiterinnen nach Westdeutschland kamen; Frauen, die als Vertragsarbeiterinnen nach Ostdeutschland kamen; Frauen, die als Migrantinnen und Geflüchtete in das wiedervereinte Deutschland kamen, sowie deutsche Frauen, die von Rassismus betroffen sind. Die Referentinnen haben über das Ankommen in Deutschland, das Arbeiten und Leben hier, sowie die politische Organisation als Frauen in diesem Land gesprochen. Wir wollten das Wissen mehrerer Generationen von Migrantinnen verbinden, miteinander vergleichen und in einen historischen Zusammenhang setzen. Wir wollten einen Raum schaffen, in dem wir als Frauen uns über unsere individuellen und gemeinschaftlichen Erfahrungen austauschen können. Wir wollten der Idee der migrantischen Frau als Opfer widersprechen, deren Stimme auf Grund von Rassismus, Sexismus und Xenophobie zu oft ignoriert wird. Wir wollten der gängigen Erzählung entgegenwirken, indem wir nicht nur über die Probleme sprechen, denen migrantische und geflüchtete Frauen, sowie deutsche Frauen, die von Rassismus betroffen sind, ständig ausgesetzt sind. Sondern auch die vielfältigen Formen unseres Widerstands dieser Frauen aufzeigen: am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und gegen die staatliche Unterdrückung. Es war ein Erfolg! Wir waren sehr berührt und inspiriert von der Resonanz auf die Konferenz- vor, während und nach der Konferenz. An jedem Tag kamen über 250 Frauen zusammen, tauschten Erfahrungen über politische Kämpfe und Widerstand in Deutschland aus, lernten aus den Geschichten verschiedener Generationen aus Ost- und West- und dem wiedervereinigten Deutschland, lernten sich kennen und bauten Netzwerke auf. Dies wurde trotz Sprachbarrieren durch die Simultanübersetzung in sechs Sprachen ermöglicht: Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Türkisch und Vietnamesisch. Es herrschte eine Atmosphäre von Offenheit und Solidarität, so dass sowohl die Rednerinnen als auch die Teilnehmerinnen frei über ihre persönlichen Erfahrungen sprechen konnten. Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen zeigten, dass eine solche Konferenz sehr notwendig war und dass ein starker Wunsch nach fortgesetztem Austausch, politischer Aktion und Vernetzung besteht. Wir betrachten die Konferenz als Ausgangspunkt und freuen uns auf die nächsten Schritte …

FOTOS DER KONFERENZ | TAG 2


Deutsch, ABER mit Migrationshintergrund

Deutsch, ABER mit Migrationshintergrund

KONFERENZ | ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM | Oktober 2017 | Berlin

KONFERENZALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAMOktober 2017 | Berlin

Was es mit sogenannten Migrationshintergründen beziehungsweise Migrationsvordergründen, mit Almancıs und richtigem Deutschsein wohl auf sich hat, darüber spricht Clementine Ewokolo Burnley mit Stefanie-Lahya Aukongo und Tülin Duman. Sie erzählen anhand ihrer eigenen Lebensgeschichten davon, wie die Zuschreibungen von deutsch oder nicht-deutsch von Kindheit an an sie herangetragen wurden. Lahya, als Schwarzes Kind in der DDR, und Tülin, als Tochter von alevitischen Arbeitsmigrant*innen in Nordrhein-Westfalen, hörten tagtäglich: »Wo kommst du her? Nein, sag mal, wo kommst du wirklich her?« Ausgehend von der Frage von Fremd- und Selbstzuschreibungen wird deutlich, dass es darum gehen muss, Konkurrenzverhältnisse untereinander zu bekämpfen und sich zu solidarisieren.

Das Video kann auf Vimeo heruntergeladen werden. Siehe Lizenz unten.

Fotos des Panels

Referentinnen & Moderatorin

Lahya (Stefanie-Lahya Aukongo) ist eine Schwarze, intersektionelle Freiberuflerin. Sie ist Künstlerin, Autorin, Poetin, Kuratorin, Multiplikatorin, Fotografin, Aktivistin, Workshop-Teamerin und Sängerin. Zu viel für ein kurzes Leben? Ganz klar: Nein! In Lahyas Leben dreht sich fast alles um liebevoll sowie gesellschaftskritisch angereihte Realitätsmoleküle, diese sind ummantelt mit Gesang, Fotografie und_oder Poesie. In ihr wohnt eine Schwarze, von gesellschaftlicher Behinderung betroffene, neurodiverse, von unerschöpflichen Emotionen getragene, queere, phat-is beautiful, mehrfachüberlebende Akademikerin, Künstlerin und Aktivistin mit deutschem Pass. Eine königliche, ost, weiß, und weiblich sozialisierte, poly-li_ebende cis_Femme aus der Mittelschicht, mit aus_reichend finanziellen Mitteln, angemessen vielen Haaren auf dem Kopf und mit großem Herz. (Stand: September 2017)Sie lebt Buchstaben und beschäftigt sie sich mit Themen wie Dekolonialisierung, Traum(a), Selbst_Liebe, Intersektionalität, Heilung, Privilegien, Identität_en und ganz besonders warmes Erdbeereis.

Tülin Duman, geboren 1978 ist eine Queer- und Menschenrechtsaktvistin und Geschäftsführerin von Südblock. Tülin Duman engagiert sich seit vielen Jahren in diversen Projekten gegen Sexismus, Homo- und Transphobie, sowie gegen Rassismus – zunehmend auch im musikalisch künstlerischem Bereich. „Mehrdimensional denken, multiperspektivisch handeln“ ist dabei ihre Linie. Sie ist Mitinhaberin und Geschäftsführerin des Berliner Veranstaltungsortes Südblock – Showbühne, Bar, Nachbarschafts- und Begegnungsort in Kreuzberg. Seit 2010 organisiert sie dort Diskussionsveranstaltungen, Konzerte und queer-feministische Partyreihen. Einen besonderen Fokus legt sie bei ihrer Arbeit auf den Rassismus und Sexismus innerhalb der queeren Szenen. Duman ist seit über zwanzig Jahren in zahlreichen politischen, künstlerischen und kulturellen Projekten sowohl beruflich als auch ehrenamtlich tätig. Von 2008 bis 2011 war Tülin Duman Geschäftsführerin von GLADT e. V. (Berlin), deutschlandweit die einzige unabhängige Eigenorganisation von queeren Migrant_innen mit Vereinsstatus. Der Verein wurde von überwiegend türkeistämmigen Lesben, Schwulen und Trans* Personen gegründet, verfolgt einen intersektionalen Ansatz und ist nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle für mehrfachdiskriminierte Queers. 2005 gründete Duman den Laden „GOAL“, der sich mit Fußballkultur beschäftigte. Sie organisierte mit GOAL Veranstaltungsreihen, Ausstellungen und Lesungen u.a. zu Diskriminierungen im Fußball, antisexistischer Fankultur und Frauen im Fußball. Unter dem Namen „Kick it queer“ veranstaltete sie große Public Viewing-Reihen von Frauenfußballspielen. Tülin Duman studierte Pharmazie und war von 2002 bis 2008 im Bereich Public Health als Projektkoordinatorin bei Gesundheit Berlin mit dem Schwerpunkt Migration und soziale Ungleichheit tätig. Zuvor war sie Koordinatorin und stellvertretende Projektleiterin bei einem EU-Projekt in Istanbul zum Thema Verbraucherschutz und Patientenrechte, Koordinatorin bei einem Frauenrechtshilfeprojekt für Opfer von sexueller Gewalt und studentische Mitarbeiterin der Menschenrechtsstiftung (Behandlungszentrum für Folteropfer), ebenfalls in Istanbul. ©Hassan

Clementine Ewokolo Burnley ist in der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun geboren und in Großbritannien und Kamerun aufgewachsen. Sie ist Autorin, Vollzeit-Mutter und gleichzeitig ein Mensch der arbeitet. Sie lebt heute mal hier, mal da, mal anderswo. Sie freut sich über Räume und Momente, um authentische Erzählungen zu begleiten, die hegemonisches Wissen erschüttern. Sie ist meistens beim Migrationsrat Berlin zu finden, schreibt auf ezibota.com und twittert als @decolonialheart.

BILDER VON DEN PANELLISTINNEN

ÜBER DIE KONFERENZALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM

International Womenspace organisierte im Oktober 2017 eine zweitägige Konferenz in Berlin. In sechs Podiumsdiskussionen teilten Frauen ihre Erfahrungen: Frauen, die als Gastarbeiterinnen nach Westdeutschland kamen; Frauen, die als Vertragsarbeiterinnen nach Ostdeutschland kamen; Frauen, die als Migrantinnen und Geflüchtete in das wiedervereinte Deutschland kamen, sowie deutsche Frauen, die von Rassismus betroffen sind. Die Referentinnen haben über das Ankommen in Deutschland, das Arbeiten und Leben hier, sowie die politische Organisation als Frauen in diesem Land gesprochen. Wir wollten das Wissen mehrerer Generationen von Migrantinnen verbinden, miteinander vergleichen und in einen historischen Zusammenhang setzen. Wir wollten einen Raum schaffen, in dem wir als Frauen uns über unsere individuellen und gemeinschaftlichen Erfahrungen austauschen können. Wir wollten der Idee der migrantischen Frau als Opfer widersprechen, deren Stimme auf Grund von Rassismus, Sexismus und Xenophobie zu oft ignoriert wird. Wir wollten der gängigen Erzählung entgegenwirken, indem wir nicht nur über die Probleme sprechen, denen migrantische und geflüchtete Frauen, sowie deutsche Frauen, die von Rassismus betroffen sind, ständig ausgesetzt sind. Sondern auch die vielfältigen Formen unseres Widerstands dieser Frauen aufzeigen: am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und gegen die staatliche Unterdrückung. Es war ein Erfolg! Wir waren sehr berührt und inspiriert von der Resonanz auf die Konferenz- vor, während und nach der Konferenz. An jedem Tag kamen über 250 Frauen zusammen, tauschten Erfahrungen über politische Kämpfe und Widerstand in Deutschland aus, lernten aus den Geschichten verschiedener Generationen aus Ost- und West- und dem wiedervereinigten Deutschland, lernten sich kennen und bauten Netzwerke auf. Dies wurde trotz Sprachbarrieren durch die Simultanübersetzung in sechs Sprachen ermöglicht: Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Türkisch und Vietnamesisch. Es herrschte eine Atmosphäre von Offenheit und Solidarität, so dass sowohl die Rednerinnen als auch die Teilnehmerinnen frei über ihre persönlichen Erfahrungen sprechen konnten. Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen zeigten, dass eine solche Konferenz sehr notwendig war und dass ein starker Wunsch nach fortgesetztem Austausch, politischer Aktion und Vernetzung besteht. Wir betrachten die Konferenz als Ausgangspunkt und freuen uns auf die nächsten Schritte …

FOTOS DER KONFERENZ | TAG 2


Rassismus & rassistische Gewalt in Deutschland von den 90er Jahren bis heute

Rassismus & rassistische Gewalt in Deutschland von den 90er Jahren bis heute

KONFERENZ | ALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM | Oktober 2017 | Berlin

KONFERENZALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAMOktober 2017 | Berlin

Die frühen Neunzigerjahre waren der Beginn einer Welle rassistischer Attentate auf Migrant*innen infolge der Wende. Im ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre terrorisierte und mordete der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) unbehelligt in der ganzen Bundesrepublik. In den darauffolgenden Jahren kam es zu vermehrten rassistischen Angriffen und Attacken auf vermeintliche Ausländer*innen. Ceren Türkmen, Ayşe Güleç, B a f t a und Peggy Piesche zeigen in diesem Gespräch, dass es nicht den einen Rassismus, sondern vielmehr verschiedene Rassismen gibt und gab, die sich in der Gesellschaft, in den Institutionen und in den Köpfen und Aktionen Einzelner formieren können. Ihre Erzählungen gelten jedoch nicht der Täter*innenperspektive, sondern dem antirassistischen und antifaschistischen Widerstand in seinen verschiedenen Formen von Aktion und Organisierung. Ayşe Güleç und Aurora Rodonò berichten über das Tribunal »NSU-Komplex auflösen« 2017 in Köln, B a f t a von der Ban Racial Profiling-Kampagne, Peggy Piesche von der Organisierung Schwarzer Feministinnen in der DDR und danach.

Das Video kann auf Vimeo heruntergeladen werden. Siehe Lizenz unten.

AUDIO

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Fotos des Panels

Referentinnen & Moderatorin

Aurora Rodonò ist freie Kulturschaffende/Dozentin (Uni Köln). Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren als Aktivistin, Kulturschaffende und Forscherin mit der Geschichte der italienischen Gastarbeiter*innen und dem italienischen Migrationskino. Derzeit ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln beschäftigt und ist darüber hinaus als freie Kulturschaffende und Filmdramaturgin tätig. 2003 bis 2006 war sie beim Ausstellungsprojekt „Projekt Migration“ beteiligt. Im Mai 2017 war sie beim Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ in Köln aktiv, wo die Kämpfe gegen Rassismus seit der Gastarbeitszeit bis heute zusammen gebracht wurden. kunst.uni-koeln.de

Ayşe Güleç studierte Sozialpädagogik an der Universität Kassel und begann ab 1998 im Kulturzentrum Schlachthof im Bereich Migration und (inter-)kulturelle Bildung zu arbeiten. Sie entwickelte den documenta 12 Beirat und war in Folge dessen die Sprecherin. Sie wurde Mitglied der Maybe Education Gruppe der dOCUMENTA (13) und bildete einen Teil der Kunstervermittler*innen aus. Sie arbeitete als Community Liaison im Artistic director office der documenta 14. Als Aktivistin engagiert sie sich in selbstorganisierten Initiativen im Bereich Migration, Postkolonialismus und Anti-Rassismus wie z.B. in der Initiative 6. April und dem Tribunal „NSU-Komplex auflösen“.

B a f t a lebt in Berlin und studiert Sozialwissenschaften im Master. Sie ist Mitglied im Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund). Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Marxistischer Gesellschaftstheorie, (Anti-)Rassismus und Migrationspolitik.

Peggy Piesche, geboren und aufgewachsen in der DDR, ist eine Schwarze deutsche Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und transkulturelle Trainerin für kritische Weißseinsreflexion in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Seit 1990 ist sie in der Schwarzen (deutschen) Bewegung aktiv und Mitfrau bei ADEFRA e.V. (Schwarze Frauen in Deutschland) und seit 2016 executive board member von ASWAD (Association for the Study of the Worldwide African Diaspora). Ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit liegt in den Feldern von Diaspora und Translokalität, Performativität von Erinnerungskulturen (Spatiality and Coloniality of Memories) sowie Black Feminist Studies und Critical Race und Whiteness Studies.

Ceren Türkmen (geb. 1980 in Duisburg) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Sie ist Soziologin und arbeitet, schreibt und doziert zur Geschichte der Arbeitsmigration in Deutschland, (historischer) Rassismus- und politische Migrationsforschung, Neomarxismus & Postkoloniale Kritik, Stadtsoziologie und Kapitalismusforschung. Seit Mitte der 1990er Jahre ist sie aktiv in MSOs und in der NSB. Sie ist Mitglied im politischen Sound-Art-Kollektiv Ultra-red. www.uni-giessen.de

BILDER VON DEN PANELLISTINNEN

ÜBER DIE KONFERENZALS ICH NACH DEUTSCHLAND KAM

International Womenspace organisierte im Oktober 2017 eine zweitägige Konferenz in Berlin. In sechs Podiumsdiskussionen teilten Frauen ihre Erfahrungen: Frauen, die als Gastarbeiterinnen nach Westdeutschland kamen; Frauen, die als Vertragsarbeiterinnen nach Ostdeutschland kamen; Frauen, die als Migrantinnen und Geflüchtete in das wiedervereinte Deutschland kamen, sowie deutsche Frauen, die von Rassismus betroffen sind. Die Referentinnen haben über das Ankommen in Deutschland, das Arbeiten und Leben hier, sowie die politische Organisation als Frauen in diesem Land gesprochen. Wir wollten das Wissen mehrerer Generationen von Migrantinnen verbinden, miteinander vergleichen und in einen historischen Zusammenhang setzen. Wir wollten einen Raum schaffen, in dem wir als Frauen uns über unsere individuellen und gemeinschaftlichen Erfahrungen austauschen können. Wir wollten der Idee der migrantischen Frau als Opfer widersprechen, deren Stimme auf Grund von Rassismus, Sexismus und Xenophobie zu oft ignoriert wird. Wir wollten der gängigen Erzählung entgegenwirken, indem wir nicht nur über die Probleme sprechen, denen migrantische und geflüchtete Frauen, sowie deutsche Frauen, die von Rassismus betroffen sind, ständig ausgesetzt sind. Sondern auch die vielfältigen Formen unseres Widerstands dieser Frauen aufzeigen: am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und gegen die staatliche Unterdrückung. Es war ein Erfolg! Wir waren sehr berührt und inspiriert von der Resonanz auf die Konferenz- vor, während und nach der Konferenz. An jedem Tag kamen über 250 Frauen zusammen, tauschten Erfahrungen über politische Kämpfe und Widerstand in Deutschland aus, lernten aus den Geschichten verschiedener Generationen aus Ost- und West- und dem wiedervereinigten Deutschland, lernten sich kennen und bauten Netzwerke auf. Dies wurde trotz Sprachbarrieren durch die Simultanübersetzung in sechs Sprachen ermöglicht: Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Türkisch und Vietnamesisch. Es herrschte eine Atmosphäre von Offenheit und Solidarität, so dass sowohl die Rednerinnen als auch die Teilnehmerinnen frei über ihre persönlichen Erfahrungen sprechen konnten. Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen zeigten, dass eine solche Konferenz sehr notwendig war und dass ein starker Wunsch nach fortgesetztem Austausch, politischer Aktion und Vernetzung besteht. Wir betrachten die Konferenz als Ausgangspunkt und freuen uns auf die nächsten Schritte …

FOTOS DER KONFERENZ | TAG 2